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Auf ein Wort...


Liebe Leserin,
lieber Leser,
das Wasser perlt von der Haut. Ich spüre die Wärme der Steine, auf denen ich mich von der Sonne trocknen lasse. Dann das Gras an den Füßen, hart von der Hitze.
Im Schatten der Bäume beziehe ich einen Liegestuhl, ein Buch in der Hand – Urlaubszeit – frei haben – frei sein.
Einen allerdings habe ich immer dabei – mich selbst. Ob ich mit diesem Reisebegleiter meinen Urlaub auskosten kann?
Lässt er mir meinen Frieden oder stört er ihn mit ständiger Kritik und Verurteilung?
Vielleicht kennen Sie Gedanken wie: „Du solltest weniger essen, sonst kannst du dich mit diesem Badeanzug nicht sehen lassen“. Oder: „ Faulenze nicht, nütze die Zeit“, „mach mehr Sport!“, „mach dich nützlich!“ etc. Sicher können Sie weitere Gedankenspiralen ergänzen.
Dabei besteht ein Zusammenhang zwischen der Kritik an sich selbst und der Kritik an anderen. Auf diesen Zusammenhang weist Paulus im Römerbrief hin, wenn er schreibt: „Worin du den anderen richtest, verdammst du dich selbst, weil du ebendasselbe tust, was du richtest (2,1b, vgl. auch Matth.7, 1-2). Das klingt rätselhaft,  birgt aber eine tiefe Wahrheit in sich: Wenn ich über andere schlecht denke, denke ich letztlich auch über mich selber schlecht. Auch die Psychologie weiß: Mein Blick auf den anderen ist nie objektiv, sondern ich nehme am anderen das wahr, was bei mir selber ein Thema ist. Am anderen sehe ich, was ich an mir selbst nicht leiden kann, oder was ich mir selbst verbiete.

Jesus Christus begegnet uns mit den Worten: Ihr urteilt, wie Menschen urteilen, ich urteile über keinen. (Joh. 8, 15)
Was für eine Freiheit und Offenheit kommt uns in diesen Worten entgegen! Ich darf einfach sein, und mich und andere sein lassen, gütig sein mir selbst und anderen gegenüber.
Und doch ist es nicht einfach, lang eingeübte Muster zu verändern.
Sicher, Kritikfähigkeit und die Gabe der Beurteilung sind wichtig und sinnvoll. Ich brauche sie, um zu entscheiden, wie ich mein Leben gestalten will, welche Prioritäten ich setze, ich brauche sie auch in den Fragen des Glaubens. In der Abgrenzung zu anderen entwickelt sich der Mensch zu einer eigenständigen Persönlichkeit, die eine eigene Meinung vertritt.
Aber es gibt ein Übermaß an Kritik, mit dem wir schließlich uns selbst und anderen das Leben schwer machen.
Jesus macht uns darauf aufmerksam, dass wir immer nach unserem menschlichen Maß urteilen, das doch stets beschränkt und begrenzt durch unsere Wahrnehmung bleibt. In der Bergpredigt mahnt er: Ziehe zuerst den Balken aus deinem Auge, ehe du versuchst den Splitter im Auge deines Bruders zu entfernen (Matth.7, 3-5).
Deshalb: Vergeuden Sie Ihre Energie und Lebensfreude nicht mit sinnloser Kritik, weder an anderen noch an sich selbst.
Segnen Sie lieber die Menschen, die Ihnen begegnen, und lassen Sie sich davon überraschen, wie sie sich Ihnen im Gegenzug von ihrer besten Seite zeigen.
Genießen Sie die Fülle des Sommers, das satte Grün der Bäume, die süßen Beeren vom Strauch, das Baden im See oder das sanfte Plätschern des Hainbachs. Nehmen Sie die Fülle an, die Gott Ihnen zugedacht hat.
Stellen Sie sich bewusst unter den göttlichen Segen. Nehmen Sie ihn tief in sich auf, atmen Sie ihn ein und, wenn Sie ausatmen, fließt er über Sie und weiter von Mensch zu Mensch.

Eine gesegnete Sommerzeit wünscht
Ihnen

Ihre Pfarrerin Eva Miriam Reich 

 


 
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